Klatschmohn und Forschergeist

Presseartikel in der NOZ vom 3.11.2017


Eigentlich malt die Glandorferin Heidrun Wolf in schwarz-weiß. Doch manchmal braucht es eben etwas Farbe: Farbige Tusche auf Steinpapier ist daher das Herz ihrer derzeitigen Ausstellung in Münster.

 

Wenn Heidrun Wolf von ihrer Ausstellung und ihrem Kunststudium spricht, dann sagt sie oft nur „meine Malerei“. Anfangs vor allem als Entspannungsübung gedacht, wurde die Kunst für die selbstständig EDV-Lehrerin ein wichtiger Teil ihres Lebens. Sie nahm Unterricht: Zunächst bei einer Freundin, dann am Institut für Ausbildung in bildender Kunst und Kunsttherapie Monika Wrobel-Schwarz in Bochum. „Ich möchte nicht im Halbwissen stecken bleiben“, sagt sie. Und so eignete sich Heidrun Wolf in den vergangenen Jahren „solide“ Grundlagen in der Ölmalerei, im Bereich Aquarell und im Zeichnen an – und so fand sie schließlich auch das Material ihrer Wahl: Tusche auf Steinpapier.

 

Mit Forschergeist und Steinpapier

 

Lange gibt es das „papierähnliche Material“, wie sie es nennt, noch nicht: Es ist fester, weniger saugfähig und glatter als herkömmliches Papier. Farben sehen darauf anders aus, Tusche trocknet nicht so schnell, verläuft. Wer auf Steinpapier malt, geht bislang unbeschrittene Wege. Forschergeist ist gefragt. „Ich führe tatsächlich Buch“, berichtet sie. Wie wirkt und verteilt sich welcher Farbstoff auf dem Steinpapier? Dabei probiert sie neben verschiedenen Tuschen auch anderes aus. Moorlauge zum Beispiel – eigentlich ein Medizinprodukt, auf das sie kam, als sie die Spiegelung einer Bergkette mit ihren Mitteln zu Papier bringen wollte. Denn das ist die eigentliche Frage Heidrun Wolfs: „Wie stelle ich Dinge, die ich sehe, die mich ansprechen und die mir in den Sinn kommen mit meinen Mitteln dar?“.

 

Die Seele der Mohnblume

 

Dieser neue Blick auf die Dinge veränderte schließlich nicht nur ihre Art Dinge zu sehen – sondern auch sie selbst. „Früher fand ich Mohnblumen einfach schön“, beschreibt sie. Heute schaut sie genauer hin, fragt sich, was sie schön findet, warum sie etwas anspricht. „Ich möchte die Seele der Dinge darstellen“. Bei der Mohnblume gelingt ihr das mittlerweile fast im Blindflug. Die leichte, zarte Blume, die trotz allem im kalten Norden ein zu Hause gefunden hat. Das fasziniert. Wenn sie vor einem weißen Blatt sitzt, malt sie oft als erstes Klatschmohn – als Lockerungsübung. Danach hat sie den Kopf frei für neue Ideen.

 

Ein Selbstbildnis

 

Und die stellt die Künstlerin meistens abstrakt dar, reduziert auf das Wesentliche, in schwarz-weiß. Die Ausstellung, die Heidrun Wolf derzeit in Münster präsentiert ist anders – ungewöhnlich bunt. „Manchmal brauche ich einfach Farben“, erklärt sie. Das hängt stark von ihren jeweiligen Stimmungslagen und Bedürfnissen ab – nicht immer bewusst. Einige ihrer Bilder liegen in einer Mappe auf einem Tisch im hellen Wintergarten. Die blau-grüne Farbe fällt beim Durchblättern der Bilder immer wieder auf. Heidrun Wolf, die ursprünglich von der Nordseeküste kommt, verbindet damit auch immer ein Heimatgefühl: „Ich verwende die Farbe, wenn ich nach etwas Vertrautem suche“, sagt sie. Und so ist jedes Bild auch immer ein Selbstbildnis, ein Blick in ihre Seele.

 

Ausstellung in Münster

 

Deshalb sei es eine Überwindung die Bilder auszustellen. Und doch wagt sie es immer wieder. Derzeit findet ihre Ausstellung im Heidekrug (Coermühle 100) statt. Bis zum 31. März sind ihre farbigen Bilder auf Steinpapier dort ausgestellt. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag ab 14 Uhr, Samstag und Sonntag ab 11 Uhr.